Verspätungsvorhersage im Zürcher Tramnetz
Datengetriebenes Analyse- und ML-Projekt | 2023–2025
Ein Satz, der das gesamte Projekt trägt
Die Verspätungen im Zürcher Tramnetz sind vorhersagbar — weil sie im Fahrplan-Design verankert sind, nicht im zufälligen Betrieb.
Was vorhersagbar ist, ist steuerbar. Das Modell bestätigt die Analyse: prev_trip_delay ist das stärkste neue Feature in v2, MAE sinkt von 45,7 s auf 18,56 s. Fahrplan-Redesign an L11 ist der Hebel.
Der gesamte Daten-Lifecycle von Rohdaten bis Vorhersage-Modell
87 % OTP seit drei Jahren — dauerhaft unter dem VBZ-Ziel von 95 %
Von der Ursachenanalyse zur Vorhersage
Identifikation der Entstehungsmuster und Einflussfaktoren. Analyse in 6 Dimensionen: Temporal · Räumlich · Netzwerk · Meteorologie · Events · Zieldefinition.
Machine-Learning Modelling für die Verspätungsvorhersage. Folgen sie Mustern, die ein Modell lernen kann? — LightGBM, MAE 18,56 s (arrival_delay in Sekunden), −63 % vs. Baseline.
Keine einzige Linie erreicht dauerhaft das Ziel
Die Lücke zieht sich durch das gesamte Netz
OTP schwankt saisonal, aber der Mittelwert bewegt sich seit 2023 nicht
Drei initiale Annahmen wurden mit Befunden aus den Daten klar widerlegt
Räumlich: Verspätungs-Hotspots liegen an der Peripherie, nicht im Stadtzentrum
Temporal: Um 21 Uhr entstehen die höchsten Verspätungen — nicht im Morgenrush
Der Peak um 2 Uhr ist ein Artefakt des Nachtbetriebs — bei minimaler Fahrtenzahl wirkt jede einzelne Verspätung überproportional gross
Erste Kennzahlen aus der explorativen Datenanalyse
Data Refinement als Fundament mit initialen Master-Datensatz und GTFS Fahrplandaten
Der Master-Datensatz entsteht in zh-tram-data aus den VBZ IST-Daten, angereichert um GTFS, Meteo Schweiz und Event-Kalender — 94,4 Mio. Zeilen, 26 Features. Er liefert die Basis für alle Analysen in diesem Projekt.
Für Karten, Geo-Visualisierungen und Tramlinien-Darstellungen wurde GTFS zusätzlich gesondert geladen — der Master-Datensatz allein liefert keine Liniengeometrien und Streckenverläufe.
Für jede Analysedimension wurden die Datenquellen im Vorfeld im Master-Datensatz schon kontextuell angereichert
Mit der passenden Data Preparation zur finalen Struktur für das Modell
Ohne Puffer im Fahrplan überträgt sich jede Verspätung auf die Folgefahrten — in Zahlen
Was an einem Halt beginnt, endet nicht dort:
Ohne Standzeit-Puffer überträgt sich jede Verspätung strukturell auf die Folgefahrt — messbar auf allen 16 Linien, am stärksten auf L11.
Vier Schritte, vom ersten Anzeichen bis zum netzweiten Beweis
Hotspots an Endstationen, nicht an zentralen Knotenpunkten. Null Überschneidung mit den dichtest bedienten Haltestellen.
Der Delay wächst entlang der Strecke. L11: Verspätung am Streckenende doppelt so hoch wie am Anfang.
71,3 % aller Haltestellen haben 0 Sekunden eingeplante Standzeit. Kein Puffer, keine Erholung möglich.
Pearson r ≥ 0,85 zwischen aufeinanderfolgenden Halts auf allen 16 Linien. Systematisch, kein Einzelfall.
Die Verspätungen sind durch die Fahrplangestaltung strukturell angelegt
Wetter und Grossevents wirken, das Grundproblem bleibt strukturell
Zwei externe Einflussfaktoren sind messbar und erheblich: Schnee (+54 s) und Grossevents (bis +66 s bei Fachmessen). Doch das Grundniveau der Verspätung bleibt auch bei optimalen Bedingungen konstant hoch. Externe Faktoren verstärken, was intern bereits strukturell angelegt ist.
Trotz Bauphasen, Streckensperrungen und Fahrplanumstellungen hält die VBZ das System bemerkenswert stabil. Die Verspätungslevel schwanken durch diese Eingriffe kaum. Die Ursache liegt nicht in externen Störungen, sondern im Fahrplan-Design selbst.
Herkömmliche Systeme scheitern an nichtlinearen Daten
Die Struktur der Daten ist nicht linear.
Linie × Haltestelle × Tageszeit × Wetter × Event interagieren auf eine Weise, die kein handcodiertes Modell erfassen kann — und prev_trip_delay liefert ein Echtzeit-Signal für einen Feedback-Loop im Modell.
Von der Baseline über Feature Engineering zum finalen Ensemble-Modell
| Ansatz | Features | MAE (Test) | Verbesserung |
|---|---|---|---|
| Baseline (Stop Mean) | — | 50,0 s | Ausgangspunkt |
| LightGBM v1 — Zeit · Wetter · Netz-Features · kein Live-Signal · MBE +8,3 s | 32 | 45,7 s | −4,3 s |
| LightGBM v2 — +prev_trip_delay · +stop_sequence_pct · Isotonic-Kalibrierung · MBE −0,69 s | 34 | 18,56 s | −31,4 s (−63 %) |
Feature Engineering schlägt Hyperparameter-Tuning.
Der Sprung von v1 auf v2 kam nicht durch einen besseren Algorithmus. Das richtige Signal aus der Analyse wurde mit dem Kaskadenindikator (prev_trip_delay) sichtbar gemacht.
Mittlerer Vorhersagefehler auf einem vollständigen, ungesehenen Testjahr — 63 % unter der Baseline
18,56 Sekunden bestätigen die Analyse.
prev_trip_delay erklärt den Sprung von 45,7 s auf 18,56 s MAE. Das Signal war in den Daten — die EDA hat es zuerst aufgezeigt, das Modell hat es bestätigt.
prev_trip_delay und stop_sequence_pct dominieren
Temporale und Wetter-Features zeigen konsistente, aber schwächere Beiträge
Konkrete Vorhersagen für reale Betriebssituationen zeigen die operative Relevanz
Das Modell kombiniert Tageszeit, Linie, Haltestelle, Wetterlage und den Verspätungsstatus des Vorgänger-Trips zu einer konkreten Sekundenvorhersage. So lassen sich kritische Situationen identifizieren, bevor die Kaskade einsetzt.
Jede Empfehlung ist direkt durch einen Befund aus der Analyse gedeckt
Umfang der Datenbasis und eingesetzte Technologie
Open Data, AI-Workflow, vollständig reproduzierbar
Dashboard-Exploration offenbarte 7 systematische Forschungsmöglichkeiten
Warum sind Fahrtrichtungen asymmetrisch?
Welche Linien dämpfen Delays, welche verstärken sie?
Beim interaktiven Erkunden der 16 Linien entstehen neue Fragen. Diese Ad-hoc-Entdeckungen sind Signale für strukturelle Potenziale und wurden bereits in 7 Opportunities formuliert.
Verspätungsvorhersage im Zürcher Tramnetz
Datengetriebenes Analyse- und ML-Projekt | 2023–2025
Was vorhersagbar ist, ist steuerbar.
Dieses Projekt zeigt: Datenanalyse ist kein akademisches Artefakt, sondern das Fundament für operative Entscheidungen. Das interaktive Dashboard macht diese Erkenntnisse direkt steuerbar — Szenarien lassen sich simulieren, um Entscheidungen fundiert zu begründen.
Linien erkunden · Linien vergleichen · Verspätungen vorhersagen