Telefonica Churn

Abwanderungsanalyse für einen Markteintritt in Florida
Data-Analysis-Projekt | StackFuel Capstone

Technischer Deep-Dive für Data Scientists. Datenbereinigung, Indikatortypen, Schwellenwert-Herleitung und Aussagegrenzen im Detail.

37
Zeilen mit negativem Anrufzähler
350,74
Minuten, 50-Prozent-Schwelle
0,052
Pseudo-R² der Regression
5
nummerierte Notebooks, durchgehend reproduzierbar
Agenda

Inhaltsübersicht

Datenaufbereitung, Indikatortypen und Methodik

1Daten und Qualität
2Indikatortypen
3Methodik
4Grenzen
Problem

Markteintritt mit subventioniertem ersten Jahr

Teleconfia testet den US-Markt mit Florida als Pilotregion

Nicht alle Neukunden sind geblieben

Das erste Jahr war vergünstigt. Zwei Kampagnen sollen die Abwanderung bremsen, eine Plakatkampagne in den Stadtteilen mit der höchsten Abwanderung und eine persönliche Ansprache der Kunden, die vermutlich kündigen werden.

14,49 %
Abwanderung über alle Kunden
3.333
Kunden im Datensatz
12
Stadtteile in Florida
Daten

Zwei Tabellen, ein Join

SQLite-Datenbank aus dem StackFuel-Abschlussprojekt

SchrittUmfangAnmerkung
churn_data3.349 Zeilen × 17 Spalteneine Zeile je Kunde, Zielspalte churn
cities12 ZeilenStadtteile, 1:1 über area_code
Join3.349 × 18local_area_code = cities.area_code
Bereinigt3.333 × 1816 vollständig leere Zeilen entfernt
Querschnittsaufnahme ohne Datumsspalte. Jede Aussage bezieht sich auf einen Stand, nicht auf einen Verlauf.
Daten

Ein Zähler, der nicht negativ sein kann

Was die Prüfung der Rohdaten zutage gefördert hat

37 Zeilen mit negativem Anrufzähler
customer_service_calls enthielt die Werte -1 und -2. Ein Zähler für getätigte Anrufe kann nicht negativ werden. Auf 0 gesetzt.
16 vollständig leere Zeilen
Ohne jeden Wert, ersatzlos entfernt.
4 Spalten mit einzelnen Lücken
number_vmail_messages, total_day_calls, total_eve_calls, total_night_calls. Aufgefüllt mit 0 oder Median, je nach fachlicher Bedeutung.
Der negative Anrufzähler blieb in der Musterlösung unentdeckt. Er verschiebt genau den Indikator, auf dem eine der Empfehlungen beruht.
Exploration

Die Ausgangslage

Was der Datensatz hergibt und was nicht

14,49 %
Abwanderungsrate als Vergleichsmaßstab
1 Zeile
je Kunde, keine Verlaufsdaten
0
Datumsspalten im Datensatz
Ohne Zeitachse kein Verlauf. Die Zielgruppenfrage wird damit zur Frage nach Merkmalen im Bestand, nicht nach einem Vorhersagemodell.
Analyse

Der internationale Tarif

Das stärkste kategoriale Signal

Abwanderung nach Tarif

42,4 % gegen 11,5 %, knapp das Vierfache.

Betrifft 323 Kunden. Klein genug, um sie einzeln anzusprechen.

Analyse

Der vierte Anruf

Ein klarer Knick statt eines gleichmäßigen Anstiegs

Abwanderung nach Service-Anrufen

Bis zum dritten Anruf zwischen 10,2 und 13,5 %, beim vierten 45,8 %.

Kontaktschwelle deshalb bei drei Anrufen, vor dem Knick. Betrifft 696 Kunden.

Analyse

Eine Schwelle statt einer Faustregel

Logistische Regression auf den Tagesminuten

Regressionskurve mit Schwelle

Die Schwelle ist gerechnet, nicht geschätzt.

Bei 350,74 Tagesminuten liegt die Abwanderungswahrscheinlichkeit bei 50 %. Sauber hergeleitet, aber nur vier Kunden liegen darüber.

Indikatortypen

Drei Datentypen, drei Auswertungswege

Warum nicht jede Spalte gleich behandelt wird

TypSpalteVerfahrenErgebnis
kategorialinternational_planGruppenvergleich der Raten42,4 % gegen 11,5 %
ganzzahligcustomer_service_callsRate je Ausprägung, Knick suchenSprung beim 4. Anruf
stetigtotal_day_minuteslogistische Regression, 50-Prozent-Punkt350,74 Minuten
Eine stetige Größe hat keine natürlichen Gruppen. Eine Schwelle per Augenmaß wäre willkürlich, deshalb hier die Regression.
Methodik

Die Regression im Detail

statsmodels Logit auf total_day_minutes

Regressionskurve mit Schwelle

Ein Prädiktor, gerechnet auf dem vollen Datensatz.

50-Prozent-Punkt bei 350,74 Minuten. Pseudo-R² 0,052 heißt zugleich, dass die Tagesminuten den Großteil der Abwanderung nicht erklären.

Methodik

Bewusst ohne Train/Test-Split

Schwellenwert bestimmen statt generalisieren

Annahme: Ziel der Regression
Ein Modell, das Abwanderung bei unbekannten Kunden vorhersagt und dafür auf einem Testset bewertet wird.
Befund: Ziel der Regression
Eine belegbare Schwelle für die Kontaktliste, gerechnet auf dem vorhandenen Bestand.
Ein Split würde die Datenbasis nur verkleinern, ohne die Aussage zu verbessern. Geprüft wird stattdessen die Datenqualität und wie viele Kunden ein Indikator trifft.
Grenzen

Was diese Analyse nicht kann

Aussagegrenzen, offen benannt

Keine Generalisierung
Ohne Train/Test-Split und ohne Vorhersagemodell gilt jede Aussage für diesen Bestand, nicht für künftige Kunden.
Die Tagesminuten-Schwelle steht allein zu dünn
Statistisch sauber bei 350,74 Minuten, betrifft aber nur vier Kunden. Als alleiniges Kriterium unbrauchbar.
Keine Zeitachse
Der Datensatz ist eine Querschnittsaufnahme. Wann eine Kündigung fällt und was ihr vorausging, lässt sich nicht rekonstruieren.
Wirkung ungemessen
Ob die Kampagnen wirken, zeigt erst eine Nachmessung. Der Datensatz enthält keinen Vorher-Nachher-Vergleich.

Telefonica Churn

Abwanderungsanalyse für einen Markteintritt in Florida
Data-Analysis-Projekt | StackFuel Capstone

Sorgfalt schlägt Modellkomplexität

Drei unabhängig geprüfte Indikatoren adressieren beide Kampagnen. Der Beitrag war nicht ein Modell, sondern die Prüfung der Datenbasis und die Einordnung, welcher Indikator trägt und welcher nicht.